Demographische Veränderungen
Der Markt für stationäre Pflegeleistungen wird in Zukunft überproportional stark expandieren. Dabei wird das Marktwachstum voraussichtlich noch wesentlich höher ausfallen, als wir bisher selbst erwartet und geplant hatten.
Vor allem die Zunahme der Hochaltrigen und der damit am meisten von Pflegebedürftigkeit betroffenen Altersgruppen wird die Entwicklung beeinflussen. So geht eine vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin im Januar 2001 veröffentlichte Studie von der Zunahme der 80- bis 85-jährigen Personen bis 2050 um 280 %, der 85- bis 90-jährigen Personen um 240 % und der 90-jährigen und Älteren gar um 410 % aus.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2020 von 1,93 Mio. auf 2,94 Mio. Menschen zunehmen. Dies entspricht einer Steigerungsrate von rund 52 %. Bis zum Jahr 2050 wird die Steigerungsrate sogar 145 % betragen. Diese Ergebnisse liegen weit über den Vorausberechnungen, von welchen bisher allgemein ausgegangen wurde. Dabei verschiebt sich die Altersstruktur der Pflegebedürftigen hin zu den Älteren und der Grad der Behinderung hin zu den Schwerpflegebedürftigen der Pflegestufe II. Für die stationäre Pflege bedeutet dies eine überproportionale Zunahme des Versorgungsbedarfs im Vergleich zu den Fallzahlen bzw. eine stärker wachsende Nachfrage nach Pflegeplätzen als die Zunahme der Pflegefälle. Die ambulante Pflege wird bis zum Jahr 2050 hierdurch um "nur" 56 % wachsen, der vollstationäre Bereich dagegen um 73 %.
Verstärkt wird dieser Effekt durch die Tatsache, dass familiäre Pflege bis zu Pflegestufe I oftmals von den Angehörigen bewältigt wird, während schwerere Behinderungen meistens außerfamiliärer Hilfe bedürfen.

Zukünftige Entwicklung des Pflegemarkts
Sozioökonomische Veränderungen
Die sozioökonomischen Veränderungen tragen zu dieser Entwicklung ebenfalls bei. Zum einen werden sich Familienstrukturen insofern auflösen, dass familiäre Pflege immer weniger wahrgenommen werden kann. Da die pflegenden Personen im Haushalt zu 80% aus Frauen bestehen, hängen die Kapazitäten von der Verfügbarkeit pflegender Frauen ab. Mit der Veränderung sozioökonomischer Bedingungen wird es für die Frauen zunehmend selbstverständlich, erwerbstätig zu sein. Von 1992 bis 1999 erhöhte sich die Erwerbsbeteiligung verheirateter Frauen um 10 %, bis zum Jahr 2020 werden in der Altergruppe der 40-50 jährigen Frauen mehr als vier von fünf Frauen erwerbstätig sein. Zudem wird sich der Anteil der Alleinerziehenden merklich erhöhen, die im Alter von 40 bis 65 Jahren noch Kinder im Haushalt haben und auf das Einkommen aus Erwerbstätigkeit angewiesen sein werden. Des Weiteren nimmt der Anteil der Mehrgenerationenhaushalte stark ab, die sogenannte Singularisierung steigt. Dies alles reduziert die Möglichkeit, Pflegeaufgaben innerhalb der Familie wahrzunehmen, die Nachfrage nach vollstationärer Pflege wird zwangsläufig steigen.
Öffentliche Einrichtungen werden die enorme Nachfrage nach den Pflegeplätzen nicht allein bewältigen können. Das Engagement privater Dienstleister ist dringend erforderlich, um dem wachsenden Bedarf gerecht werden zu können.































